Sonntag, 20. April 2014

Kindheitserinnerungen

Wir alle tragen sie mit uns herum - Kindheitserinnerungen. Manche davon sind schön, manche vielleicht weniger. Aber es ist schon erstaunlich, woran wir uns erinnern, wenn wir an unsere Kindheit denken. Meistens sind das nicht die außergewöhnlichen Ereignisse, die ihre Spuren hinterlassen, sondern mehr so die ganz alltäglichen Dinge.

+Inga Palme hatte die Idee, doch mal über Kindheitserinnerungen zu schreiben, und hat es auf ihrem Blog vorgemacht. Gerne greife ich diese Idee auf und will auch ein paar meiner Kindheitserinnerungen hier festhalten.

Ich erinnere mich nicht an ein besonders tolles Spielzeug, aber ich erinnere mich an besonders tolle Spiele, die wir gespielt haben. In einem kleinen Dachraum hatten wir uns unser eigenes Raumschiff Enterprise nachgebaut. Die vielen Knöpfe der diversen Steuercomputer bestanden dabei aus den Plastikeinlagen von Pralinenschachteln, die wir an den Wänden befestigt hatten. Sah super aus, hat auch toll funktioniert, es gab nur einen Nachteil: nachdem so ein "Knopf" gedrückt wurde, musste man die Dinger wieder ausbeulen, damit sie wieder funktionsfähig wurden. Wir hatten sogar eine kleine Raumfähre aus einer alten Obstkiste, die wir benutzten, wenn wir unser Raumschiff mal verlassen wollten.

Natürlich haben wir auch sehr viel draussen gespielt. Damals hat man sich noch nicht klassisch verabredet. Man ist nachmittags einfach rausgegangen, und da waren immer irgendwelche Nachbarskinder, mit denen man spielen konnte. Da ich am Land aufgewachsen bin, hatten wir einen ganz schön großen Aktionsradius für unsere Spiele. Wald, Wiesen, Bäche - das alles waren für uns ganz vortreffliche Spielplätze, denn Spielplätze in dem Sinn, wie wir sie heute kennen, gab es damals bei uns nicht.
Ich erinnere mich noch daran, dass wir von einem unserer Ausflüge massenweise Weinbergschnecken mitgebracht hatten, mit denen wir im Garten einer Freundin eine Schneckenfarm gegründet haben. Wir hatten viel Spass, die Mutter der Freundin war aber weniger begeistert, und so mussten wir die Schnecken nach ein paar Tagen wieder zurückbringen.

Sehr viele meiner Kindheitserinnerungen haben auch mit meinen Großeltern zu tun. Hauptsächlich mit meinen Omas, da meine Opas schon gestorben sind, als ich noch sehr klein war. Meine Oma hatte früher eine kleine Frühstückspension. Für mich gab es damals nichts Schöneres, als ihr in der Küche bei den Frühstückvorbereitungen zu helfen. Damals gab es Butter noch nicht portionsgerecht abgepackt. Und so wurde die Butter mit so einem kleinen Butterformer (den hab ich übrigens heute noch) zu kleinen Röllchen geformt und dann in Schälchen auf den Tisch gestellt. Hier könnt ihr euch den Butterröllchenformer (leider kenne ich die korrekte Bezeichnung nicht) ansehen.

Meine Oma hat mir auch sehr viel vorgelesen. Mein Favorit waren dabei immer die Märchen der Gebrüder Grimm, aus dem uralten, roten Märchenbuch, das schon sehr abgegriffen war, und noch in der alten deutschen Schrift geschrieben war. Ich weiß nicht, wie oft ich jedes einzelne Märchen gehört habe. Die meisten könnte ich bestimmt heute noch aus dem Kopf nacherzählen. Geschadet haben die mir übrigens nicht, auch wenn heute oft gesagt wird, dass Grimms Märchen zu grausam für Kinder wären. Ich mochte sogar den Struwwelpeter, selbst der hat keine bleibenden Schäden bei mir hinterlassen.

Auch die Ferien - oder Teile davon - haben wir oft bei den Omas verbracht. Die eine Oma wohnte direkt an der Skipiste. Es war nur ein winzig kleiner "Skihügel" mit einem alten Tellerlift, nicht zu vergleichen mit dem, was heutzutage in den großen Skigebieten geboten wird, aber wir waren den ganzen Tag beschäftigt, und es machte uns nichts aus, die ewig selbe Abfahrt zu nehmen. Doch trotz dieser ausgedehnten Übungsmöglichkeiten ist aus mir nie eine gute Skifahrerin geworden, und irgendwann hab ich das Skifahren dann ganz aufgegeben.

Die andere Oma wohnte 600 km weit weg in Deutschland, aber auch da waren wir als Kinder oft und gerne. Das deutsche Flachland hatte für mich Bergkind fast was Exotisches, und ich hab den "weiten Blick" immer genossen, und mag ihn auch heute noch sehr gerne. Außerdem gab es in Deutschland jede Menge Cousins und Cousinen und immer was Interessantes zu entdecken. Und auch auf das "exotische" Essen hab ich mich immer gefreut. Duplo, Hanuta, Wackelpudding, Malzbier, Waldmeistersirup - all das gab es damals bei uns in Österreich nicht. Auf die vielen Kartoffeln hätte ich allerdings verzichten können.

Für die langen Autofahrten nach Deutschland haben meine Eltern übrigens immer einen Kassetten-Recorder mit ins Auto genommen. Ein eingebautes Autoradio hatten wir damals noch nicht. Dann wurden die ganzen Stunden über die immer gleichen Lieder abgespielt. Eines ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, das ich auch heute noch sehr gerne höre, "Andrea" von Fabrizio de Andrè.
Wenn wir zu Weihnachten meine Oma im Ötztal besucht haben, dann haben wir uns die Zeit während der Autofahrt damit vertrieben, die beleuchteten Christbäume bei den Häusern entlang der Strecke zu zählen. Damals war es noch die Ausnahme, dass Lichterketten in die Bäume vor dem Haus gehängt wurden, und dementsprechend glücklich hat uns jedes einzelne dieser Exemplare gemacht. Auch sonst haben wir immer irgendwelche Spiele gefunden, mit denen wir uns während langer Autofahrten beschäftigen konnten.

Dann gab es in unser Familie auch liebgewonnene Rituale, sowas bleibt natürlich ganz besonders in Erinnerung, und manche davon leben auch in der eigenen Familie weiter. Beim ersten Schnee sind wir kurzen Hosen eine Runde um den Block gelaufen. Abhärtung schadet ja nicht, und tatsächlich waren wir auch kaum mal krank. Das war als Kind abenteuerlich, heute würde ich das nicht mehr machen. Im Sommer, wenn es sehr heiß war, sind wir immer ins Kühtai geflüchtet. Auf knapp 2.000 m Seehöhe hat es auch im Hochsommer angenehme Temperaturen. Außerdem gibt es da eiskalte Gebirgsbäche, in denen man sich auch zusätzlich noch abkühlen konnte. Damals war ich noch richtig mutig.

Zum Abschluss keine Erinnerung, sondern mehr ein gut gehütetes Kindheits-Geheimnis von mir. Lange Zeit war ich als Kind davon überzeugt, fliegen zu können. Ich hab es zwar nie tatsächlich gemacht (bin mir jedenfalls nicht ganz sicher), wusste aber ganz genau, wie es geht. Und ich wusste auch ganz genau, wie es sich anfühlt. Dieser Moment, wenn man die erste Anstrengung, die es zum "Abheben" braucht überwindet, und es ganz leicht wird, und man ewig weiterfliegen könnte. Irgendwie kann ich das auch heute noch fühlen.

Ich könnte jetzt hier noch ewig weiterschreiben, weil mir immer neue Erinnerungen kommen. Aber eigentlich sind die alle nicht so spektakulär, als dass man daraus einen Roman machen sollte. Doch gerade, dass diese schönen Kindheitserinnerung eben nicht die Spektakulären sind, sollten wir stets im Gedächtnis behalten - besonders auch die jungen Eltern unter uns. Es muss nicht immer dieses besonders tolle Weihnachtsgeschenk sein, die perfekt durchgeplante Geburtstagparty, oder der megacoole Sonntagsausflug. Unsere Kinder werden später ihre eigenen Erinnerungen haben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sind dann eben auch diese ganz alltäglichen Dinge, die das Leben ausmachen.

Ich bei meiner Oma in der Küche. Overall war damals in.

Ich, als ich noch eine vorbildliche Tirolerin war

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